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blogromywolf94

Ein Tag des Triumphes sollte es werden. Die Erstfassung von „Metamorphose“ endlich abgeschlossen und bereit zum Überarbeiten sein. Morgen die Füße hochlegen und Gilmore Girls gucken anspruchsvolle Literatur lesen. Stattdessen ist mir dreitausend Worte vor dem angepeilten Ende klargeworden, dass die Handlung so, wie sie jetzt ist, nicht wirklich funktioniert. Schade aber auch.

Immerhin Glück im Unglück habe ich; das Plotloch sollte sich relativ einfach im bereits bestehenden Manuskript flicken lassen, so dass die bisher geschriebenen 22.000 Wörter wenigstens nicht vollkommen verschenkte Zeit und Mühe sind. Das Problem an der Sache ist allerdings, dass ich, um das Loch zu stopfen, mich handlungstechnisch recht weit aus dem Fenster lehnen müsste. Und ich weiß nicht, ob ich das kann.

Manchmal (okay, das ist eine glatte Lüge – ziemlich oft) wünsche ich mir, ich wäre Neil Gaiman. Wenn ich seine Bücher lese, dann bin ich immer wieder erstaunt und verzückt, mit welcher Selbstverständlichkeit er die Elemente und Protagonisten seiner Romane zusammenwirft und zu einem Ganzen macht.  Am wunderbarsten finde ich, dass er es nicht nötig hat, sich in seiner Geschichte für die teilweise obskuren Wendungen und Figuren zu erklären oder gar zu rechtfertigen. Was in seinem Buch passiert, passiert. So ist das einfach. Ende im Gelände.

Ich hingegen verbringe den Großteil der Planung und des Schreibprozesses damit, mir die Frage Ist das denn eigentlich plausibel? zu stellen. Was, denk ich, ja nicht grundsätzlich schlecht ist. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass dieses ständige Hinterfragen jegliche Kreativität einhemmt. Ich traue mich kaum, mir wirklich fantastische Szenarien auszudenken, weil ich in dem Moment, wo sie auftauchen, sofort denke, dass mir das sowieso niemand abkaufen wird. (Dass in Schottland eine Schule für Hexerei existiert, die nur über ein geheimes Gleis 9 3/4 zu erreichen ist, ist auf der anderen Seite natürlich völlig logisch.)

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass nicht unbedingt die Plausibilität der einzelnen Handlungselemente zählt, sondern das Selbstbewusstsein, mit der man sie einbindet. Natürlich sollte eine Handlung in sich stimmig sein und die Welt gewissen festgelegten Regeln folgen, aber darüber hinaus? Muss ich unbedingth erklären, wie  Magie funktioniert? Mit was für Mitteln die Fae ihr Reich versteckt halten? Und wie genau es in unsere Welt passt?

Bei den Superhelden stört es ja auch niemanden, dass scheinbar alle Männer und Frauen ihre besonderen Fähigkeiten durch ominöse radioaktive Unfälle erhalten. Macht auch keinen Sinn. Stört es uns? Nein. Denn was im Endeffekt zählt, ist die Geschichte drum herum.

Ich werde also versuchen, in Zukunft weniger verkrampft zu plausibilisieren und mehr einfach zu tun. Ein bisschen wagemutiger zu werden und mich ein bisschen öfter aus dem Fenster zu lehnen. Letztenendes schreibe ich ja unter anderem auch Fantasy. Da sollte die Phantasie nicht zu kurz kommen, oder?

(Gott sei Dank musste nie ich der Kindlichen Kaiserin einen neuen Namen geben. „Mondenkind? Hm. Also ich weiß nicht. Warum Mondenkind? Was hat das mit Phantásien zu tun? Ist der Mond da besonders wichtig? Also, das sollten wir nochmal überdenken …“)

Kommentare

  • 26. Februar 2014

    Geht mir sehr ähnlich, für mich muss immer alles bis ins letzte Detail logisch und durchdacht sein, auch wenn der Leser vieles davon nie erfährt. Mich würde es aber eher blockieren, wenn ich es nicht so handhaben würde, dann würde ich mir vorkommen wie im freien Fall.

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  • 26. Februar 2014

    Hehe… das selbe Problem habe ich auch! Zum Glück schreibe ich (noch) kein Fantasy, aber irgendwann würde ich es gerne tun, und dann wird’s schwierig… 😉 Doof eigentlich – als ich klein war und geschrieben hab, hab ich mir über so was gar keine Gedanken gemacht und einfach drauflos geschrieben. Da möchte ich gerne wieder hin irgendwann!

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